Kommentar

Nicht lesbar? Zeichensatz fehlt? Grafische Version


Äußeres

Auf den Fotos der Handschrift sind 35 Lagen zu erkennen. Deren Anfänge und Mitten liegen auf folgenden Seiten:

Lage

Anfang mit S.

Mitte vor S.

Doppelblätter

Weggeschnitten vor S.

Anfang von Kap.

1



1+

2


2

2

10

4


1

3

18

22

2



4

26

36

5


2

5

46

54

4


3

6

62

66

3

62.70

4, auf S. 69

7

70

74

3

74.76

5, auf S. 73

8

78

86

4


6

9

94

102

4



10

110

118

4



11

126

134

4



12

142

152

5



13

162

170

4


7

14

178

188

5



15

198

206

4



16

214

222

4


8

17

230

238

4


9

18

246

254

4



19

262

266

3

264


20

272

280

4


10

21

288

296

4



22

304

312

5

306


23

322

330

4


11

24

338

344

3

346

12, auf S. 347

25

348

356

4


13, auf S. 356

26

364

372

4



27

380

388

4

392


28

394

402

4


14.15, auf S. 398

29

410

418

4



30

426

434

4


16

31

442

446

2



32

450

456

3


17

33

462

472

5


18, auf S. 476

34

482

490

4


19

35

498


1+

498


21 Lagen haben 16 Seiten = 4 Doppelblätter.

Außerdem gibt es:
- 5 Lagen von 20 Seiten = 5 Doppelblättern;
- 5 Lagen von 12 Seiten = 3 Doppelblättern;
- 2 Lagen von 8 Seiten = 2 Doppelblättern.

Zu Lage 1:
Das Foto mit der Urkunde I zeigt fol1v+fol2r, das mit der Urkunde II fol2v+fol3r. Die Naht ist auf keinem Foto sichtbar. Seite 1 kann nicht fol3v sein, und Seite 2f kann das zweite Blatt hinter fol3 sein. Vermutlich ist von 3 Doppelblättern fol3v leer, fol4 weggeschnitten, fol5r leer, fol5v Seite 1, fol6 weggeschnitten.

Die Seiten oder Spalten haben unterschiedliche Zahlen von Zeilen. Diese sind folgendermaßen verteilt:

Seite/Spalte

Zeilen

Lage

Kapitel

2

22

2

1

3-4

26



5-6

27



7-8

28



9-11

27



12

28



13a

33



13b-14a

34



14b

35



15-16

29



17

28



18-19a

30

3


19b-20a

31



20b

32



21

34



22

36



23a

30



23b

29



26

22

4

2

27-34

25



35-36

27



37-38

25



39-43

27



44a

18



46

23

5

3

47-61

25



62-68a

29

6


68b

3



69

28


4

70a-72a

29

7


72b

31



73

29


5

74a

31



74b

34



75

32



76

30



78

21

8

6

79-93

24



94-152

25

9-12


153-160a

27



160b

10



162

21

13

7

163-188

24

13-14


189-208

25

14-15


209-210

24



211a

23



214

26

16

8

215-219

29



220

30



221a

33



221b-222a

34



222b

37



223-224

31



225a

32



225b

33



226a

35



226b

36



227a-228a

30



228b

29



230

26

17

9

231-269

29

17-19


270

13



272

22

20

10

273-319

25

20-22


320a

10



322

26

23

11

323-346a

29

23-24


346b

23



347

26


12

348-355

29

25


356a

26


13

356b

27



357-365

29

25-26


366

30



367-379

29



380-390

30

27


391a

37



391b-392b

38



394

21

28

14

395-397

24



398

23


15

399-406

24



407-410

25

28-29


411-422

26



423a

14



426

22

30

16

427-447

25

30-31


450

25

32

17

451a

29



451b

28



452a-454a

29



454b-455a

28



455b-456b

29



457a

28



457b

30



458

29



459a

37



459b

36



460a

37



460b

36



461a

28



461b

30



462

25

33


463a

24



463b-465b

25



466a

30



466b-467b

32



468a

30



468b-470a

32



470b

31



471

33



472

31



473a

33



473b-474a

31



474b-475b

33



476a

32


18

476b

33



477

35



478a

27



478b-479b

26



480-481

28



482

22

34

19

483-496a

25



496b

19



497

25


20

498a

13

35


Im allgemeinen wurde gegen Ende der je letzten Lage eines Kapitels enger geschrieben, so dass die Zahl der Zeilen pro Spalte steigt, von weniger als 25 bis zu mehr als 35. Im Ganzen kleiner geschrieben wurden die Kapitel 1, 4f, 8 und 17.
Grundsätzlich wurde Gleichmäßigkeit angestrebt, zumindest pro Kapitel. Höhere und gegen Ende einer Lage steigende Zahlen deuten darauf hin, dass der Schreiber mit einer gegebenen Zahl von Blättern auskommen musste. In Kap. 2f, 6f und 9-16 (außer 391f) sind es durchweg nicht mehr als 30 Zeilen.

Die Handschrift enthält zwölf ganzseitige Bilder je vor dem Anfang eines Kapitels auf der letzten Seite einer Lage, und zwar:

Bild

vor Kap.

auf Seite

1

1

1

2

2

25

3

3

45

4

6

77

5

7

161

6

8

213

7

9

229

8

10

271

9

11

321

10

14

393

11

16

425

12

17

449

Jedes Bild hat eine Überschrift, und zwar:
1.
ሥዕለ፡ቅድስት፡ሐና፡ወኢዮአቄም፡ብእሲሃ፡ወ[መርያም፡ወ]ለታ፡
2. ሥዕለ፡ቅዱሳን፡አርያ፡ምሳሌ፡ዘከመ፡አብእዋ፡ለእግዝእትነ፡ማርያም፡
ውስተ፡ቤተ፡መቅደስ፡ወኣፈይዋ፡ለዘካርያስ፡ካህን።።
Im Bild: ሐና፡ወኢዮአቄም፡፡ወአሐቲ፡ድንግል፡ምስሌሆሙ።
ዘካርያስ፡ካህን።
3. ዘከመ፡ዜነዋ፡ገብርኤል፡ለማርያም፡ትሥብእቶ፡ለዋሕድ፡
4. ዘከመ፡ሖሩ፡ዮሴፍ፡ወማርያም፡ወሰሎሜ፡እንዘ፡ይጸውሩ፡ሕፃነ፡ወይጐይዩ፡ውስተ፡ብሔረ፡ግብጽ፡
5. ዘከመ፡ኀደረት፡እግዝእትነ፡ማርያም፡ምስለ፡ፍቁር፡ወልዳ፡ውስተ፡ደብረ፡ቍ
ስቋም፡ምስለ፡ዮሴፍ፡ወሰሎሜ።
Unter dem Bild: ዘከመ፡አዕረፈ፡ዮሳ፡በትእዛዘ፡አምላክነ።
6. ዘከመ፡ሰቀልዎ፡ለእግዚእነ፡ማእከለ፡ክልኤ፡ፈያት፡ወዘከመ፡ኀብ
ኡ፡ብርሃኖሙ፡ፀሐይ፡ወወርኅ፡ወዘከመ፡በከዩ፡ማርያም፡ወዮሐንስ።
7. ሥዕለ፡ቅዱስ፡ዮሐንስ፡ወበርኮሮስ፡ረድኡ፡እንዘ፡ይጽሕፍ፡ዕርገተ፡
እግዝእትነ፡ማርያም፡ኵሎ፡ዘርእየ።
Im Bild: ወአነ፡በርኮርኮሮስ፡ረድአ፡ዮሐንስ፡ርአኩ፡እንዘ፡የዓርግ፡ሥጋ፡ወ
8. [ዘከመ፡ገነዛ፡እግዚእነ፡ለእሙ]፡ድንል፡ምስለ፡፲ወ፪፡አርዳኢሁ።
9. ሥዕለ፡ቅዱስ፡አባ፡ህርያቆስ፡ኤጲስ፡ቆጶስ።
10. ሥዕለ፡ቅዱስ፡ባስልዮስ፡ኤጲስ፡ቆጶስ።
11. ሥዕለ፡እግዝእትነ፡ማርያም፡ምስለ፡ፍቁር፡ወልዳ፡ወዘከመ፡ሰአለ
ት፡መበለት፡በእንተ፡ወልዳ።
12. ሥዕለ፡ቅዱስ፡ዮሐንስ።
1. Bild der heiligen Anna und ihres Mannes Joachim und ihrer [Tochter Maria]
2. Bild der Heiligen, Bild [lies
አርአያ፡], Gleichnis, wie sie unsere Herrin Maria in das Heiligtum brachten und sie dem Priester Zacharias übergaben [lies ወኣወፈይዋ፡]
(Im Bild:) Anna und Joachim, und eine Jungfrau mit ihnen; der Priester Zacharias
3. Wie Gabriel der Maria die Menschwerdung des Einzigen verkündete
4. Wie Josef, Maria und Salome gingen, während sie das Kind trugen und in das Land Ägypten flohen
5. Wie unsere Herrin Maria mit ihrem geliebten Sohn auf dem Berg Qusqwam wohnte, mit Josef und Salome
(Unter dem Bild:) Wie Yosa auf Befehl unseres Gottes entschlief
6. Wie man unseren Herrn zwischen zwei Räubern kreuzigte, wie Sonne und Mond ihr Licht verbargen und wie Maria und Johannes weinten
7. Bild des heiligen Johannes und seines Jüngers Prochorus, während er die Auffahrt unserer Herrin Maria schreibt, alles, was er gesehen hat
(Im Bild:) Und ich, Prochorus [lies
በርኮሮስ፡], Johannes´ Jünger, habe gesehen [lies ርኢኩ፡], während der Leib der [Gottesgebärerin] auffuhr
8. [Wie unser Herr seine] jungfräuliche [lies
ድንግል፡] [Mutter einhüllte], mit seinen 12 Jüngern
9. Bild des heiligen Bischofs Abba Kyriakos
10. Bild des heiligen Bischofs Basileios
11. Bild unserer Herrin Maria mit ihrem geliebten Sohn und wie die Witwe für ihren Sohn bat
12. Bild des heiligen Johannes

Die ersten Seiten der auf ein Bild folgenden Kapitel (außer 11, zusätzlich 19) haben Überschriften ohne Linie, und zwar:

Kap.

Seite

Überschrift

1

2

Lesung am 1. Ginbot (26.4.)

2

26

Lesung am 3. Tahsas (29.11.)

3

46

Lesung am 29. Mäggabit (25.3.)

6

78

Lesung vor Qusqwam, zur Tröstung

7

162

Lesung am 6. Hidar (2.11.)

8

214

Lesung am 15. Nahase (8.8.)

9

230

Lesung bei der Kreuzigung

10

272

Lesung am 16. Nahase (9.8.)

14

394

Lesung am 21. Säne (15.6.)

16

426

Lesung am 21. Tirr (16.1.)

17

450

Lesung am Marienfest und am Sonntag

19

482

Lesung am 24. Hidar (20.11.)


In Kapitel 9 sind weitere Zeitangaben links neben die Spalte geschrieben, und zwar:
237b16 Mittagszeit
241b17 das von der Zeit der 9. Stunde
245b17 das von der Abendzeit
250a20 das von der Auferstehung

Auf S. 94 und 109 stehen kleine Zahlzeichen für 2, auf S. 110 für 3, doppelt über- und unterstrichen, je rechts und links oben. Mit diesen Seiten beginnt bzw. endet die 2. und 3. Lage von Kapitel 6.


Inhalt

Die Texte der Handschrift sind zum größten Teil Übersetzungen aus dem Griechischen oder Arabischen.
Positive Beweisstücke für eine Übersetzung aus dem Griechischen wären:
- "aksumitische" Verwendung von
hallo und kona;
- unabhängiges Impf. für Vergangenheit;
- "aksumitische" Verwendung des Ger.
Beweisstücke für eine Übersetzung aus dem Arabischen wären:
- Verbindungen von
kona mit dem Impf. oder Perf.;
-
"Hal" mit wa-Pron., wo ýénza allein korrekt wäre;
- überschüssig
es wa-, wo im Arabischen fa- korrekt wäre.
Beweisstücke für eine Abfassung auf Äthiopisch wären im Aksumitischen unübliche Wortstellungen wie za-Y X statt der Constructusverbindung X-a Y oder Nachstellung des Verbs.

Kapitel 1

Buch der Geburt der Maria
Protevangelium Jacobi
original griechisch
Parallelen T 45,7; Orient. 692,4 (WrBM S. 164); Orient. 604,10 (WrBM S. 144)
1
CANT S. 25-29 50., S. 28 Versio aethiopica (BHO 616).
ediert CSCO 39 S. 3-19
2
Übersetzung BLM S. 122-142

Kapitel 2

Predigt von Maria, wie sie geboren wurde, wie man sie in den Tempel hineinbrachte und wie man sie dem Josef übergab und wie sie zu Zacharias´ Haus zu seiner Frau Elisabet ging
erst parallel zum Protevangelium Jacobi, dann zu Lk 1,26-2,39 und Mt 1,18-2,12
original griechisch
Parallelen T 45,2; Orient. 692,2 (WrBM S. 164); Orient. 604,3 (WrBM S. 143)

Kapitel 3

Predigt über das, was Gabriel der Maria verkündigte
original äthiopisch
Parallelen T 45,5; Orient. 604,8 (WrBM S. 144)
Übersetzung BLM S. 102-116

Kapitel 4

Erzählung, wie Maria schwanger wurde
original äthiopisch
Parallelen T 45,6; Orient. 604,9 (WrBM S. 144)

Kapitel 5

Predigt von Johannes, vom Vater
original äthiopisch
keine Parallele

Kapitel 6

Predigt, Geschichte der Weihe der Kirche, die als "des Herrn Handausstrecken" bekannt ist
original arabisch
3
Parallele Orient. 604,2 (WrBM S. 143)
ediert POr 49,2
Übersetzung BLM S. 81-101 (von S. 107-135)

Kapitel 7

Predigt von Theophilos von Alexandria
original griechisch
Parallelen T 45,1; Orient. 692,1 (WrBM S. 164); Orient. 604,1 (WrBM S. 143)
CANT S. 34
56., Versio aethiopica.
CANT S. 73 95. Vita Virginis Iacobita (syriace). Cf.: ROC 15 (1910), p. 125-132
Übersetzung BLM S. 61-80 (von S.
173-197)

Kapitel 8

Geschichte der Maria und ihres Weggangs
original griechisch
Parallelen Abbadie 128 (CRNA S. 47,
50); Orient. 604,4 (WrBM S. 144)
CANT S. 91 151. Libri Iohanni apostolo suppositi, breuior narratio.
Notae: (b) Epitome est dormitionis superioris.4
ediert CSCO 342 S. 85-1005
Übersetzung BLM S. 152-167

Kapitel 96

Predigt, die Kyriakos von Bahnasā hielt, über das Weinen und Klagen der Maria
original arabisch
Parallelen Abbadie 91(CRNA S. 453f
57 I); Orient. 604,16 (WrBM S. 145)
CANT S. 53f 74., Recensio aethiopica.
ediert und übersetzt M.-A. van den Oudenrijn7
s. LThK² III 1225ff Nr. 13.19; RRALm VIII (1900) S. 209 §7

Kapitel 10

22. Ermahnung. Kyrillos von Jerusalem sagte sie, über die Auffahrt des Leibes unserer Herrin
original arabisch
Parallelen T 45,13; Orient. 604,13 (WrBM S. 144)
CANT S. 91
152. Cyrilli Hierosolymitani homilia.
ediert CSCO 351 S. 1-338

Kapitel 11

Predigt, die Kyriakos von Bahnasā hielt, am Tag der Auffahrt der Maria
original arabisch
Parallele Orient. 604,14 (WrBM S. 145)
CANT S. 91 153. Homilia Cyriaci a Behnesa.
Notae: (a)
Homilia haec uersio aethiopica est homiliae arabicae (n. 147)9
(b) Homiliae Cyrilli (n. 152) et Cyriaci arcte connexae sunt et ab eodem archetypo pendere censentur. ... (CSCO 343), p. x sq.
ediert CSCO 351 S. 34-5510

Kapitel 12

Predigt, die erzählt, wie die Geschichte der Maria gefunden wurde
original griechisch; das aus dem Syrischen
Parallelen T 45,12; Orient. 604,5 (
WrBM S. 144)
CANT S. 84 123. Libri VI de dormitione B. V. Mariae (BHO 620).
Übersetzung
BLM S. 143-151

Kapitel 13

Geschichte der Maria und ihres Weggangs
original griechisch; das aus dem Syrischen
Parallele Orient. 604,6 (
WrBM S. 144)
CANT S. 90f 150. Liber Iohanni apostolo suppositus de dormitione B. V. Mariae (BHO 639).
Nota: Dormitio haec uersio aethiopica est textus syriaci, Libri VI de dormitione (n. 123)
CANT S. 84
123. Libri VI de dormitione B. V. Mariae (BHO 621-625).
ediert CSCO 39 S. 23-49
Übersetzung BLM S. 168-201

Kapitel 14

Der erste Kirchbau
original arabisch
Parallelen T 45,8; Orient. 692,5 (WrBM S. 164); Orient. 604,11 (WrBM S. 144)
stark gekürzte Version von Kapitel 15, aus dem Synaxar (vgl. POr 1,5 S. 645-649)

Kapitel 15

Predigt von Basileios von Kaisareia über den Bau der Kirche der Maria
original arabisch
Parallelen T 45,9; Orient. 692,6 (WrBM S. 164); Orient. 604,12 (WrBM S. 144)

Kapitel 16

Predigt von Maria, die Johannes von Äthiopien hielt
von Metropolit Johannes, Anfang 14. Jh.
original griechisch 428a20-444a3 (außer 432a14-b9); original arabisch 444b1-447a12; Rest original äthiopisch oder arabisch
Parallelen T 45,3; Orient. 692,3 (WrBM S. 164)
CANT S. 92
156. Metropolitae Iohannis homilia (partim).
teilweise ediert CSCO 351 S. 56-61 (~ 437b8-444a3)
11
428a-444a steht inhaltlich Pseudo-Kyrillos In Mariam virginem (Orientalia 70,1) am nächsten

Kapitel 17

Die Zeichen der Maria (1-15)
original arabisch;
12 ab dem 11. Zeichen original äthiopische Einschübe (v.a. Gebete mit wenig Bezug zum Wunder: im 11. 466b14-467a14.b19ff.28-32; im 12. 469b14-24.470a7-20; im 13. 471b15-472a31; im 14. 473b8-31; 15. Zeichen13)
Parallelen Abbadie 91 (CRNA S. 453f
57 II; Inhaltsangabe CLMM S. 70); (15) T 45,4
s. CLMM

Parallel sind:

Zeichen

CRNA 57

1

7

2

8

3

3

4

6

5

1

6

2

7

4

8

5

Zeichen

BMM Nr.

BMM S.

1

86

305f

2

29

94ff

3a

10

35f

3b

38

138f

4

102

332f

5

30

98f

8

101

330f

9

70

268f

10

71

270ff

13

22

68f

14

72

275

15

73

276ff

Kapitel 1814

Buch der Predigt des Engels ’Afnin
original äthiopisch
keine Parallele
15

Kapitel 19

Predigt, die von Jerusalem ausging, ...
original äthiopisch; original arabisch 484b20 – 486a21
keine Parallele
16
484ff ist eine Version der Geschichte der keuschen Susanna mit Michael statt Daniel.

Urkunde I

Zwei Erlasse sind in eine Urkunde gesteckt, der allgemeine zur Heiligung des Sabbats und die spezielle Stiftung.

Übersicht

Nr

Seite

Parallele

ediert

übersetzt

original

1.

2

CSCO 39 S. 3-19; T 45,7

x

x

G

2.

26

T 45,2



G

3.

46

T 45,5


x


4.

69

T 45,6




5.

73





6.

78

POr 49,2

x

x

A

7.

162

T 45,1

x

x

G

8.

214

CSCO 342 S. 85-100

x

x

G

9.

230

s. van den Oudenrijn, Gamaliel

x

x

A

10.

272

CSCO 351 S. 1-33; T 45,13

x

x

A

11.

322

CSCO 351 S. 34-55

x

x

A

12.

347

T 45,1


x

G

13.

356

CSCO 39 S. 23-49

x

x

G

14.

394

T 45,8



A

15.

398

T 45,9



A

16.

426

CSCO 351 S. 56-61; T 45,3




17.

450

s. CLMM


x

A

18.

476





19.

482





20.

497





Meine Annahme eines griechischen oder arabischen Originals basiert auf den oben genannten sprachlichen Gründen. Kapitel ohne eine solche Angabe halte ich für original äthiopische Kompositionen. Die Übersetzungen aus dem Arabischen sind anscheinend von Arabern gemacht worden.
Also ist aufgrund der Syntax und des Wortschatzes die originale Sprache wahrscheinlich:
- Griechisch für die Kapitel 1f, 7f und 12f;
- Arabisch für die Kapitel 6, 9-11, 14f und 17;
- Äthiopisch für die Kapitel 3-5 und 18f.


Geschichte

Endkolophon und Urkunde I sind gemäß der Synchronie von Matthäus und Bartolomäus zwischen 1398 und 1408 geschrieben worden. Zu dieser Zeit passen auch der Stil der Schrift und der Bilder. Die jüngsten datierbaren Texte sind die Kapitel 6 und 10, deren Übersetzung laut S. 319 von Abba Salāmā besorgt wurde. Da die äthiopischen "Zeichen der Maria" unter David I. begonnen wurden, muss der Grundstock nach 1380 geschrieben worden sein.
Die innere Geschichte der Handschrift ergibt sich aus den Kolophonen, dem Alter und der Herkunft der Kapitel, den Lagen und den Bildern.
Ein Zwischenkolophon mit einer Vorschau bis zu den Zeichen der Maria am Ende von Kap. 13 besagt, dass Sinn der Handschrift die Sammlung aller erreichbaren Prosatexte über Maria in biografischer Folge war: "Die Geschichte der heiligen Maria ist ... vollendet worden. ... Der aber diese Marienpredigten schreiben ließ von ihrer Geburt bis zu ihrer Auffahrt und nach ihrer Auffahrt die Weihe ihrer Kirche und ihre Zeichen (deiner Magd Batra ’Āron), der Sünder ... dies alles arbeitete er wegen der Liebe der Maria: sooft er ihre Geschichte hörte, sammelte er ihre ganze Predigt." (in 392b10-28)
Die Zeichen der Maria in Kap. 17 waren damals eine Neuerscheinung, aber der Text ist, wie die Schreibfehler zeigen, Kopie einer äthiopischen Vorlage. Dieses Kapitel hat einen Zwischenkolophon auf S. 460f nach dem achten Zeichen. Vielleicht wurden die danach in
Ägypten angefügten Zeichen aus einem anderen Buch kopiert. In Lage 33 sparte der Schreiber soviel Platz, dass es für die Einfügung von Kap. 18 ausreichte. In der nächsten Lage kam er dann so aus, dass eine Seite für einen Endkolophon frei blieb.
Kap. 18 ist von jemandem geschrieben, der durch die Handschrift seine Verehrung für
Afnin verbreiten wollte. Wie in Kap. 19 geht es um Engelskult.
Kap. 19 ist wieder von derselben Hand wie Kap. 1-17 und scheint ziemlich neu. Mindestens die Geschichte 484b20-486a21 ist aus dem Arabischen übersetzt. Sonst bekennt der Schreiber in den Kolophonen der Kapitel seine Verehrung Marias. In diesem Kapitel werden die Wesensgleichheit gar nicht und Christus (488a9f; 492b21; 496a15f) und Maria (487b4f; 494b19f) nur beiläufig erwähnt. Also wurde er vermutlich bestochen, dieses monarchianische Dokument in ein orthodoxes Buch einzuschmuggeln, um es so zu verbreiten.
Die Handschrift hat 35 Lagen zu 4 bis 10, meist 8 Blättern. Jedes Kapitel außer 4f, 12f, 15 und 18 beginnt auf der ersten Seite einer Lage. Alle 12 Bilder sind je auf der letzten Seite einer Lage. Der Schreiber ließ also je eine Rückseite für ein Bild frei.
An der Zahl der
Zeilen pro Spalte ist zu sehen, dass Kap. 1 nachträglich angefügt ist. Der Schreiber musste mit den 2 Lagen auskommen wie für Kap. 8 mit einer. In Kap. 2 steckt die Überschrift ("die Geschichte der heiligen Maria", in 26a14ff), und für eine Vita von der Geburt an wäre Kap. 1 nicht nötig.
Die ersten fünf Bilder passen zu dem ihnen folgenden Text.
Die Bilder 6-12 zeigen:
6: Jesu Kreuzigung
7: Johannes mit Prochorus
8: Mariä Begräbnis
9: Kyriakos
10: Basileios
11: Maria mit Witwe
12: Johannes
Bild 1 passt auch zu Kap. 2. Bild 6 gehört zu Kap. 9, Bild 8 zu 8, Bild 7 zu 10, wo Prochorus erstmals vorkommt. Kap. 8 sollte also zwischen 9 und 10. Bild 11 gehört zu Kap. 17, und der Johannes auf Bild 12 ist der Metropolit aus Kap. 16
17. Kap. 17 musste ans Ende, Kap. 16 davor, das dazu gehörige Bild darum hinter das Kapitel.
Die innere Geschichte lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: anfangs sind Kap. 2f, 6f und 9-13 vorhanden, 14f und 17 bekannt. Diese lässt
Gabra Krəstos kopieren und bemalen. Dann werden an teils wenig passenden Stellen die Kapitel 1, 4f, 8 und 16 eingefügt und Bild 2 und 12 gemalt. Der erste Schreiber überlässt die Handschrift jemandem, der die Lage 34 mit einer Predigt über den Engel Afnin füllt. Auf einer weiteren Lage fügt der erste Schreiber eine Predigt an, in der die Gottesmutter als solche nicht genannt wird. Diese Handschrift von 19 Kapiteln wird von der Prinzessin Batra ’Āron erworben. Sie lässt auf der letzten vorhandenen Seite und auf der ersten einer weiteren Lage einen Kolophon anfügen und den Namen des Auftraggebers durch "deine Magd Batra ’Āron" ersetzen.

Wegen ihres ähnlichen Alters zu beachten sind die Handschriften T 45, Abbadie 91 (CRNA 57) und Orient. 692 (WrBM S. 164f) aus dem 15. Jh. Zu T 45 siehe die Übersicht; Abbadie 91 enthält Parallelen zu den Kapiteln 9 und 17, Orient. 692 zu 1f, 7 und 14ff.

Orient. 692

T 45

Betlehem

1

1

7

2

2

2

3

3

16

4

7

1

5

8

14

6

9

15

7

11


T 45 sieht also aus wie eine Erweiterung von Orient. 692.

Orient. 604 (WrBM S. 143ff) von 1716-1721 enthält Parallelen zu den Kapiteln 1-15 außer 5, und zwar:

1

10

2

3

3

8

4

9

6

2

7

1

8

4

9

16

10

13

11

14

12

5

13

6

14

11

15

12

In Orient. 604, 1-16 sind also noch die Kapitel 7 und 15 hinzugefügt.

Abbadie 158 (CRNA S. 449-452 56) aus dem 18. Jh. enthält Parallelen zu den Kapiteln 1-16 außer 4f und 8, und zwar:

1

5

2

6

3

8

6

2

7

1

9

9

10

15

11

16

12

4

13

11

14

13

15

14

16

3

In Abbadie 158 sind also noch die Kapitel 7, 10, 12 und 17 hinzugefügt.

Die Handschrift Betlehem scheint also die älteste der marianischen Sammlungen zu sein, die im 15. Jh. von Orient. 692,1-7 und T 45, im 18. Jh. von T 7218, Orient. 604 und Abbadie 158 vertreten werden. Von diesen ist Betlehem als Vita konzipiert, Orient. 692, T 45, T 72 und Orient. 604 als Lektionar zu Marienfesten im Jahreskreis.



1Nach Parallelen habe ich auch in den äthiopischen und arabischen Synaxaren in der POr gesucht: 6.3., 24.3., 3.4., 13.4. (arab. nichts), 21.10., 16.12; zum 21.5., 27./29.7. und 1.9. arab. kurz, äth. keine Edition. Die Texte in den Synaxaren sind wesentlich kürzer, die arabischen noch kürzer als die äthiopischen. Keiner von diesen scheint eine direkte Quelle zu enthalten. Zum Inhalt von Orient. 692 (WrBM S. 164ff) und Orient. 604 (WrBM S. 143ff) s.a. BLM S. LXIIf Nr. 1-19

2angeblich aufgrund eines Ms. aus dem 13. Jh.!

3vgl. G. Graf, Geschichte der christlichen arabischen Literatur I, Vatikan 1944, S. 464

4Kap. 13

5s. CSCO 343, S. X

6so stark korrigiert, dass dabei ein anderer Text vorgelegen haben muss

7Gamaliel, Freiburg 1959

8s. CSCO 343, S. Xf

9ein Ms., von 1719

10s. CSCO 343, S. X

11s. CSCO 343, S. XI

12nach CLMM (S. 155) zwei ältere arabische Handschriften

13s. vorn stehendes Ger. 474a10.b4.28; 475a7.28.29.b19 und regelkonform verwendetes hallo 474a6.30; 475a11; aber mit Verwendung einer kürzeren arabischen Vorlage, s. die Anmerkungen

14kaum Korrekturen, auch nicht grammatisch notwendige; wohl Autograph

15vielleicht C. Conti Rossini, Manoscritti ed opere abissine in Europa, in: RRALm VIII (1899), S. 606-637, S. 610 Dersāna Afnin (A 94; ohne Jh.)

16vielleicht a.a.O. S. 613 Dersāna Mikāēl "che venne da Gerusalemme" (A 84; ohne Jh.)

17vgl. Bild 7 und die Bischöfe auf Bild 9f

18s. E. Hammerschmidt, Äthiopische Handschriften vom Ţānāsee 2, Wiesbaden 1977, S. 77-82